CDU-Demonstrationsdesaster

Weil es im Hinblick auf Politik leider recht wenig zu Lachen gibt, ist es doch umso erfreulicher, wenn es dann doch mal spaßige Events gibt. So geschehen am vergangenen Samstag an der Frankfurter Allee. Die Volkspartei CDU, Landesverband Lichtenberg, beschloss, eine Demonstration unter dem Motto „Kommunismus? Ohne uns, Frau Lötzsch“ abzuhalten.

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Das Gespenst Gesine Lötzschs.
Die Vorsitzende der Linkspartei hatte einige Wochen zuvor in einem Interview mit der jungen Welt verlauten lassen, der Kommunismus ließe sich nur dadurch erreichen, Wege zum Ziel auszuprobieren. Ein solches 0815-Zitat kann jedoch Anlass zu einer antikommunistischen Massenhysterie geben und etablierten Parteien nützen, um sich medienwirksam von „verbrecherischen, antidemokratischen Ideologien“ zu distanzieren und Forderungen nach flächendeckenden Überwachungen sogenannter antidemokratischer Vereinigungen laut werden zu lassen.

Munter dabei ist natürlich die CDU. So meldeten sie eine Demonstration „Kommunismus- ohne uns, Frau Lötzsch“ im „Wahlkreis“ an. Im Vorfeld wurde im Medium facebook angeregt diskutiert.
Die Demonstration war allerdings eher eine Kundgebung. Circa 15 AntikommunistInnen hatten sich eingefunden, darunter ein schwarz gekleideter Mensch mit rotem Schal sowie ein in die Jahre gekommener kleinerer Herr, etwas abseits, mit einer Kamera, welche beide dem „Pro Deutschland“-Umfeld zuzuordnen sind. Mit Wissenschaft beschäftigt hatte sich allerdings keine Person aus dem lustigen Häuflein, und so wurden munter Plakate gegen „Extremismus“ (welcher jeder Rechtsgrundlage oder wissenschaftlicher Bedeutsamkeit entbehrt sowie zu einer Gleichsetzung von links und rechts führt), wie auch gegen Lötzsch in die Höhe gereckt. Es wurde sogar extra für Steuergelder ein Transpi gedruckt. In Diskussionen wurde wieder fleißig des Deutschen liebste Tätigkeit sichtbar; Herumgeopfere. So waren „die Deutschen“ Opfer zweier Diktaturen, wober der DDR-Kommunismus (?!?!?!) und die NS-Herrschaft fleißig über einen Kamm geschoren wurden. Dass „die Deutschen“ vielleicht selbst mitgemacht hatten, wurde natürlich außenvor gelassen. Wie üblich wurde die Linkspartei als Nachfolgepartei der Stasi bezeichnet und über die eigene Aufnahme von NS-Kadern kein Wort verloren.
Das seltsame Häufchen Elend, welches es immerhin geschafft hatte, eine Kundgebung, wenngleich keine Demonstration zu veranstalten, sah sich gegenübergestellt einer Menge von ca. 100 KommunistInnen in ausgelassener Partystimmung, selbst zu einer solch inhumanen Uhrzeit (11 Uhr morgens).

Vera Lengsfeld, CDU, schreibt:

„Die Antifa muss jetzt erklären, ob es ihre Position ist, die Verfolgten des Kommunismus zu verhöhnen und demokratische Parteien an der Ausübung ihres Demonstrationsrechts zu behindern. Die Politik muss die Frage beantworten, ob die Antifa weiterhin mit Steuergeldern gefüttert werden soll. “

Wir können nur antworten:

‚Die Antifa‘ wird die Verfolgten des Kommunismus sooft und soviel verhöhnen, wie ‚die Antifa‘ es will; denn es gibt keine. Wir gedenken gern den Opfern des Stalinismus, des Maoismus, denen in Nordkorea und allen anderen sich selbst sozialistisch oder kommunistisch nennenden autoritären Diktaturen, sofern sie im Kampf für eine befreite Gesellschaft, ein emanzipatorisches Zusammenleben oder vergleichbares starben. Wir trauern allerdings keinem einzigen Opfer des Stalinismus zB in Stalingrad nach. Denn worauf Frau Lengsfeld sich höchstwahrscheinlich bezieht, sind Parolen bezüglich 1943 in Stalingrad. Und diese sind angebracht. Und nur, weil die CDU sich demokratisch nennt, ist sie es noch lange nicht, ebenso, wie autoritäre Diktaturen nicht kommunstisch sind. Und ‚die Antifa‘ hindert Nazis, Rechtspopulisten und andere Spinner auch weiterhin an der Ausübung ihres Demonstrationsrechtes, komme, was wolle.
Und der Tag, an dem ‚die Antifa‘ mit Steuern gefüttert wird, den streichen wir uns rot im Kalender an. Rot.
Frau Lengsfeld, es wäre wahrlich wundersam, hätten sie tatsächlich mal „mehr zu bieten“ als das.

In Anbetracht der momentanen Lage lässt sich fazitär sagen:
Das Proletariat hat nichts zu verlieren – außer seinem Verstand.

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